Lohnt sich ein Firmeneintrag? Durchgespielt an einer Änderungsschneiderei

Ein Beispiel ohne Zahlenzauber: Was sich für einen kleinen Betrieb ändert, wenn sein Profil vom Platzhalter zur echten Visitenkarte wird.

listavo.de Redaktion4 Min. Lesezeit
Schneiderin an der Nähmaschine in einer kleinen Änderungsschneiderei, neben ihr ein Tablet mit dem Profil ihres Ateliers

Ob sich ein Firmeneintrag lohnt, lässt sich abstrakt schwer beantworten. Deshalb spielen wir es hier an einem Beispiel durch: einer kleinen Änderungsschneiderei in einer mittelgroßen Stadt. Der Betrieb ist ausgedacht, die Abläufe sind typisch. Zahlen nennen wir bewusst keine, denn die hängen von Lage, Saison und Wettbewerb ab. Es geht darum, wo sich im Alltag etwas verschiebt.

Der Betrieb im Beispiel

Die Schneiderei besteht aus der Inhaberin und einer Teilzeitkraft. Das Atelier liegt in einer Seitenstraße, nicht in der Fußgängerzone; Laufkundschaft gibt es kaum. Die meisten Kundinnen und Kunden kommen auf Empfehlung oder weil sie das Schild einmal im Vorbeigehen gesehen haben.

Auf Listavo existiert bereits ein Eintrag, den der Betreiber angelegt hat: Name, Adresse, eine Telefonnummer. Sonst nichts.

Vor Hochzeiten, Abschlussbällen und zum Saisonwechsel klingelt das Telefon häufig, und viele Anrufe drehen sich um dieselben Dinge: Haben Sie heute offen? Kürzen Sie auch Lederjacken? Wie lange dauert eine Hose? Kann ich mit Karte zahlen? Jeder Anruf heißt: Nadel ablegen, Hände abwischen, zum Telefon gehen.

Woche eins: aus dem Platzhalter wird ein Profil

Die Inhaberin meldet sich mit dem Zugang an, den sie vom Betreiber bekommen hat, und nimmt sich an zwei Abenden je eine Stunde.

Die Branche

Eine Branche aus fünfzehn ist zu wählen. Für eine Schneiderei liegt Textilien und Bekleidung nahe; Dienstleistungen und Handwerk wäre ebenfalls denkbar. Sie entscheidet sich für die erste Variante, weil Menschen, die eine kaputte Jacke in der Hand halten, eher an Kleidung als an Handwerk denken.

Leistungen mit klaren Namen

Der Leistungskatalog bekommt Einträge wie 'Hosen kürzen', 'Reißverschluss ersetzen', 'Brautkleid anpassen', 'Lederreparatur' und 'Vorhänge nähen'. Das ist wichtig, weil die Suche auf Listavo Firmenname, Branche, Ort und die Namen der Leistungen abgleicht. Wer nach Reißverschluss sucht, findet das Atelier nur, wenn dieses Wort in einer Leistung steht. Ein Satz im Über-uns-Text reicht dafür nicht.

Zeiten, Zahlungsarten, Barrierefreiheit

Die Öffnungszeiten trägt sie je Wochentag ein, den langen Donnerstag ebenso wie den kurzen Samstag. Bei den Zahlungsarten kreuzt sie an, was das Kartenlesegerät wirklich kann. Unter Barrierefreiheit gibt sie ehrlich an, dass zwei Stufen zum Eingang führen.

Gesichter und Bilder

Ein Foto vom Arbeitstisch mit Maßband und Stoffen, eines von der Anprobe-Ecke, ein Titelbild ohne Schrift, das Logo. Im Teambereich stehen beide Frauen mit Vornamen und Rolle, nachdem beide zugestimmt haben. Der Über-uns-Text bleibt kurz: seit wann, für wen, was das Atelier nicht macht, etwa Maßanfertigung von Anzügen.

«Jede Frage, die das Profil beantwortet, ist ein Anruf weniger mitten in einer Naht.»
— Faustregel der Redaktion
Telefon an der Wand einer Schneiderei, daneben ein Notizblock mit drei abgehakten Punkten, ein Maßband und eine Nadeldose
Weniger Standardfragen am Telefon, mehr Zeit an der Maschine.

Was sich am Telefon verschiebt

Die Anrufe verschwinden nicht. Aber ihr Inhalt verändert sich. Wer das Profil gesehen hat, fragt seltener nach Zeiten oder Kartenzahlung und häufiger gleich, wann er zur Anprobe kommen kann. Die FAQ fängt drei weitere Klassiker ab: ob man ohne Termin vorbeikommen darf, wie lange eine Änderung vor Festen ungefähr dauert und ob eigene Stoffe mitgebracht werden können.

Für einen Zwei-Personen-Betrieb ist das der eigentliche Gewinn. Ein Gespräch über einen Auftrag bringt Arbeit, eines über Öffnungszeiten nur eine Unterbrechung.

Wer jetzt anfragt

Ein zweiter Effekt betrifft die Passgenauigkeit. Weil der Leistungskatalog sagt, was das Atelier macht, und der Über-uns-Text sagt, was es nicht macht, kommen weniger Anfragen, die abgelehnt werden müssen. Dafür melden sich Menschen, die nicht wussten, dass hier auch Lederjacken repariert werden.

Und wer in der Seitenstraße nie vorbeikommt, sieht das Atelier jetzt auf der Branchenseite und auf der Seite der Stadt. Für einen Betrieb ohne Schaufensterlage ist das ein Weg, der vorher schlicht fehlte.

Der laufende Aufwand

Nach der ersten Woche ist der Pflegeaufwand gering. Vor dem Sommerurlaub werden die Öffnungszeiten angepasst, nach dem Urlaub zurückgestellt. Geht eine Bewertung ein, beantwortet die Inhaberin sie im Posteingang, in den sie auch ihre Google-Bewertungen importiert hat. Kommt eine neue Leistung hinzu, bekommt sie einen eigenen Eintrag im Katalog.

Ein fester Termin im Quartal reicht, um alles einmal durchzusehen. Dabei prüft sie vor allem, ob Zeiten und Leistungen noch stimmen und ob eine Bewertung unbeantwortet geblieben ist.

Was sich auf andere Betriebe übertragen lässt

Eine Bäckerei oder ein Steuerbüro würde andere Schwerpunkte setzen, das Muster bleibt gleich:

  • Schreiben Sie eine Woche lang auf, welche Fragen am Telefon kommen. Daraus entstehen FAQ, Leistungen und die Angaben zu Zahlungsarten.
  • Benennen Sie Leistungen mit den Wörtern, die Ihre Kunden verwenden, denn nur diese Namen werden durchsucht.
  • Füllen Sie Zeiten, Zahlungsarten und Barrierefreiheit aus, weil Suchende genau danach filtern.
  • Zeigen Sie die Menschen, die Kunden an der Theke oder bei der Anprobe treffen.
  • Planen Sie danach eine kurze, regelmäßige Durchsicht statt einer großen Aktion pro Jahr.